In „Jingle Bells“ kippt die vertraute Weihnachtsidylle ins Groteske. Weihnachtsmann, Rentier und verführerische Weihnachtsfigur verschmelzen zu einer absurden Inszenierung – Karikatur statt Besinnlichkeit, Fratze statt Idylle.
Werkbeschreibung
Jingle Bells
Mit bissigem Humor demontiert Diethard Sohn in „Jingle Bells“ die kitschige Weihnachtsidylle. Im Zentrum steht ein grotesk verzerrter Weihnachtsmann: kahlköpfig, mit glasigem, schielendem Blick und wulstigen weißen Brauen. Statt einer klassischen Zipfelmütze trägt er ein Rentiergeweih mit baumelnden Bommeln – eine ironische Verschmelzung von Santa Claus und Rentier. Der weiße Rauschebart wirkt eher wie eine lose angeheftete Maske. Allein der rote Mantel mit weißem Plüschbesatz bleibt als vertrautes Weihnachtssymbol erhalten.
Hinter ihm erhebt sich eine monumentale Frauenfigur mit blondem Zopf und weiß-roter Zipfelmütze. Ihr feixendes, beinahe lüsternes Lächeln und die bewusst überzeichnete Körperlichkeit brechen radikal mit jeder braven Vorstellung einer Weihnachtsmann-Gattin. Die Figur wirkt zugleich dominant, komisch und irritierend. Der tiefschwarze Hintergrund entzieht der Szene jeden festlichen Raum. Nur ein kleiner Tannenbaum am rechten Bildrand verankert das Geschehen noch notdürftig im weihnachtlichen Kontext.
Sohn nutzt eine zwischen Hyperrealismus und Comic angesiedelte Malweise, um vertraute Weihnachtsfiguren zu verzerren und ihrer sentimentalen Aufladung zu berauben. Die vermeintlich heile Festtagswelt kippt ins Groteske. Verkleidung, Körperlichkeit und übersteigerte Mimik verwandeln die Weihnachtsfolklore in eine absurde Inszenierung.
Das Ergebnis ist ein verstörend-komisches Bild, das die kommerzialisierte Weihnachtsidylle als groteske Farce entlarvt: Karikatur statt Besinnlichkeit, Fratze statt Idylle.