Mal- und Zeichenkurse online

Wir zeichnen und malen.

Wir, das bin ich und meine Kursteilnehmer: SchülerInnen, StudentInnen und professionelle KünstlerInnen.

Wie kam es dazu?

Zu Beginn des sogenannten Shut-Downs wurde ich angerufen und gefragt ob ich einen Schüler, der sehr sehr interessiert am Zeichnen ist, unterrichten könne. Ich überlegte und entschied mich 2 Stunden am Tag in Mal- und Zeichenkurse online zu investieren.

Nach kürzester Zeit war ich ausgebucht, so das ich jetzt in Erwägung ziehe um weitere 4 Stunden pro Woche zu erweitern. Bei Interesse einfach per eMail schreiben.

Auge, Bleistift, Papier
Schnelle FaceTime Live Demo Zeichnung aus dem Stegreif, während es online Unterrichts Bleistift, Papier

Es macht Spaß Zusammen zu arbeiten.

Wir besprechen gemeinsam die Arbeiten. Ab und an halte ich einen Vortrag, manchmal zeichne ich etwas vor, und dann wieder zeichnen wir zusammen. Das alles per Smart-Phone.
Und letztlich habe ich das Gefühl wir machen dabei gute Fortschritte.

Hätte nicht gedacht, dass mir dieser Unterricht per FaceTime und Skype so viel Freude neben meiner Arbeit an eigenen Werken und meinen aktuellen Kunstprojekten bereiten würde.

mehr Information ..

Titelbild (iPad): Live Skizze zum Thema Faltenwurf während des Unterrichts.

Der Newtonbiss

Zeichne so ein bisschen herum, denke an Goethe, denke an Newton und denke darüber nach in welchem Verhältnis Freiheit und Geduld zueinander stehen.

Und ich erinnere mich gerade an ein Gefühl, als ich am Gleis an einem Bahnhof stand und auf einen Nahverkehrszug wartete, der uns damals von dem Bahnhof, den wir mit einem Bus erreichten, in die Stadt brachte in der unser Gymnasium war.

Statt dem Zug, den ich erwartete bretterte ein Güterzug durch den Bahnhof. Ich erinnere mich genau an den Geruch nach Eisen und Asbest, und an den Wind, der meine damals langen und dichten Haare aufwirbelte. Ich erinnere mich auch an den Schauer, der mir in diesem Moment über den Rücken lief – Einsamkeit.

Und doch ja, in diesem Augenblick war da so ein Gefühl von Freiheit.

Archäologische Funde – Ausgrabungen im Atelierschrank

Meinen ersten richtig guten Wasserfarben Kasten bekam ich von meinen Eltern zu Weihnachten. Dazu gab es dann auch noch zwei Malblöcke mit Torchon Aquarell Papier von SCHOELLERSHAMMER. Die Blöcke waren schnell verbraucht.

Der Malkasten war über viele Jahre mein ständiger Begleiter. Es entstanden unzählige Skizzen, Naturstudien bis hin zu größer formatigen Arbeiten und Illustrationen.

Mein erster Malkasten ist mit auf dem Foto. Später Mitte der Achtziger Jahre kamen weitere Kästen und Farben hinzu. Jetzt beginnen die Reinigungs- und Restaurationsarbeiten.

In der kleinen Galerie ein paar Aquarelle aus den Jahren 1983 – 1990

Der Aschenbecher, Diethard Sohn 1986, Aquarellfarben auf SCHOELLERSHAMMER 4R-Dick
Der Dirigent I, Diethard Sohn 1984, Aquarell auf SCHOELLERSHAMMER 4R-Dick

Goethe und das frisierte Mofa

Es war ein herrlicher Sommertag. Ich saß im Schatten einer großen Buche auf einer kurz gemähten Wiese und zeichnete Skizzen auf einem Block. Es muss im Jahr 1977 gewesen sein. Meine Haare waren lang und mein Mofa frisiert.

Da erschien eine Frau mit schwarz gelocktem Haar, einem großen goldenen Ohrring und einem orientalisch wirkendem Kleid, wie man es damals öfter sah. Sie setzte sich zu mir und interessierte sie sich für meine Zeichnung, die ich ihr zögernd zeigte. Nach längerer Betrachtung zog sie ein Buch aus ihrer Tasche und reichte es mir:

„Johannes Pawlik, Goethe Farbenlehre“.

Neugierig blätterte ich eine Seite nach der anderen durch. Sie beobachtete mich beim Blättern ihres Buches und meinte schliesslich: „Du kannst das Buch behalten“ .. „Wie?? Einfach so?“ erwiderte ich etwas erstaunt „Ja einfach so“ bestätigte sie, und fügte rasch hinzu: „ich schenke es dir. Nimm es! Bei dir ist es gut aufgehoben“.

Das Buch, war ein großartiges Geschenk. Es begleitet mich bis heute, und bis heute lese ich immer wieder darin.

Sicher, Goethe’s Beitrag zur Farbenlehre, den er selbst unter all seinem Schaffen besonders hervorhob, war nie unumstritten. Auch seine Polemik gegenüber Newton war geradezu grotesk. Für mich aber war dieses Buch der Einstieg in die Analyse der Farben, ihrer Tonwerte, Kontraste und ihrer Wirkung auf uns Menschen.

Titelbild: Goethe Farbenlehre Didaktischer Teil, Johannes Pawlik
Köln: DuMont 1974, Softcover

Frohe Ostern!

© Diethard Sohn

Osterspaziergang

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
durch des Frühlings holden, belebenden Blick.
Im Tale grünet Hoffnungsglück.
Der alte Winter in seiner Schwäche
zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend, nur
ohnmächtige Schauer körnigen Eises
in Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weisses.
Überall regt sich Bildung und Streben,
alles will sie mit Farbe beleben.
Doch an Blumen fehlts im Revier.
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um, von diesen Höhen
nach der Stadt zurückzusehen!
Aus dem hohlen, finstern Tor
dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
denn sie sind selber auferstanden.
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
aus der Strassen quetschender Enge,
aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur, sieh, wie behend sich die Menge
durch die Gärten und Felder zerschlägt,
wie der Fluss in Breit und Länge
so manchen lustigen Nachen bewegt,
und, bis zum Sinken überladen,
entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges ferner Pfaden
blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel.
Hier ist des Volkes wahrer Himmel.
Zufrieden jauchzet gross und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

(Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832, deutscher Dichter, Schriftsteller, Naturforscher)